So 3-4 Mal pro Jahr bestellt eine grössere Werbeagentur aus unserem Kreis beschriftete Textilien bei uns. Bisher wurde nicht eine Rechnung pünktlich bezahlt. Es bedarf immer einiger Anrufe bis das Geld dann nach Monaten bei uns eingeht. Meistens dann, wenn eine neue Bestellung ansteht…
Bei der letzten offenen Rechnung ging es um eine eher geringe Summe. Irgendwas mit €1xx,xx …
Als ich das vierte Mal anrief (Anrufe wirken eigentlich viel besser als eine schriftliche Mahnung), setzte ich eine Frist bis zum Nachmittag den Überweisungsbeleg zu faxen. Anderenfalls ginge die Angelegenheit zu unserem Rechtsanwalt. Die Antwort darauf fand ich schon sehr dreist: „Wegen einer solch geringen Summe geben Sie die Sache zum Anwalt?!“ Ja – natürlich machen wir das. Wir liefern gute und schnelle Arbeit, also möchten wir auch pünktlich unser Geld. Weiter wies ich die gute Frau darauf hin, dass ich ihr Kundenkonto ab sofort auf „Zahlung bei Abholung“ umgestellt habe.
Es vergingen einige Monate bis wieder eine Bestellung kam. Sie orderten für sich selbst, sowie für einen ihrer Kunden Textilien mit Firmenbeschriftung. Eine Bestellung folgte der nächsten, insgesamt für knapp €1700,– netto! Niemand fragte nach einem Preis, und die Bestellung wurde immer wieder um diverse Artikel erweitert. Wir fertigten nach ihren Wünschen, und als ich dort anrief um Bescheid zu geben, dass sie abgeholt werden könne, machte ich auch gleich darauf aufmerksam, dass bei Abholung auch direkt zu zahlen sei. Jetzt war Holland in Not!
Die junge Frau meinte sie hätte nicht so viel Bargeld im Haus – kein Problem! Sie dürfen auch gerne einen Scheck mitbringen. Dies müsse sie erst abklären…
Nach einigen Minuten rief sie zurück. Wir sollten doch die Textilien für ihren Kunden direkt mit dem abrechnen und ihr ein paar Prozente einrechnen. Nein – so läuft es nicht. Wer die Musik bestellt der darf sie auch zahlen, zudem wir bei Neukunden eigentlich ausschliesslich gegen Vorkasse arbeiten.
Zähneknirschend schickte sie einen Fahrer mit einem passenden Scheck vorbei, der die Sachen abholte.
Ich rede hier von einer Agentur, die u.a. Fernsehwerbung realisiert! Die haben zig Mitarbeiter und residieren in einer chiquen Villa – alles vom Allerfeinsten! Die €1700,– dürften sie locker aus der Portokasse zahlen können. Warum schaffen die es nicht Kleinstrechnungen zeitnah anzuweisen und so die Lieferanten bei der Stange zu halten? Sollten wir den Kunden jetzt verloren haben dann sei es drum, denn auf solche Geschäftgebahren verzichten wir gerne!

Das kenn ich leider auch.
Je „größer“ der Kunde, desto schlechter ist die Zahlungsmoral.
Das schlimmste was ich erlebt habe war die Marke mit den Stern aus Stuttgart und die Airline mit den Kranich.
@Flo
Ist wahrscheinlich so, dass die sich das dicke Fell leisten können. Je länger die mit dem Geld arbeiten können, desto mehr Profit schlagen sie daraus… Der kleine Zulieferer geht vor die Hunde, aber ist ja egal, denn wenn einer pleite geht steht schon ein neuer vor der Tür.
Ich selber kenn das zwar nicht, aber bei einer mir befreundeten Anwaltskanzlei ist das auch an der Tagesordnung.
Leute, die total reich tun und sich für toll halten und rixchtige Promis in der Stadt sind, tun immer so als ob die Höhe der Anwaltskosten keine Rolle spielt. Später muss die Kanzlei dann ständig (teilweise jahrelang) mahnen, dass sie mal endlich zahlen.
Die „normalen“ Menschen hingegen zahlen meist sofort.
Aber klar auch: reiche Leute sind meistens nicht dadurch reich geworden, dass sie ihr Geld verschenken oder gleich zahlen oder so… Ist leider so.
@Scheff
Das ist aber eine sehr freundliche Anwaltskanzlei wenn die jahrelang mahnen und dem Schuldner nicht direkt einen Kukukskleber auf den Hals hetzen
Aber Du hast recht, die Leute, von denen man es am wenigsten erwartet zahlen am schnellsten …
Ich glaube das kennt jeder in irgendeiner Art und Weise aus dem alltäglichen Geschäftsleben…